Unearthed I Seitenblick I Bremen I 2017

Ausstellungseröffnung am Freitag, 7. April 2017 um 18 Uhr
Begrüßung durch Carola Bintakies
Ausstellung bis 7. Mai

Ingrid Ogenstedt (*1982 in Stockholm) hat in Umeå, Sweden und an der HfK Bremen freie Kunst studiert, Meisterschülerin bei Prof. Ingo Vetter in 2015. Danach zog sie für ein Jahr nach Berlin, arbeitete einen Sommer in Hólmavík, im Norden Islands und lebt zurzeit in Malmö, Schweden. Ausstellungen u.a. in Akureyri, Island, in Stockholm und in der Weserburg in Bremen.

Seit mehreren Jahren arbeitet die Schwedin Ingrid Elsa Maria Ogenstedt mit dem sperrigen Material Torf, das »Schichten von Zeit, Kultur und von Erzählung enthält, die selbst erzählen, wie man mit ihnen umgehen soll«. Die Torfblöcke für die Bremer und Seefelder Arbeiten sind alle in Gnarrenburg gestochen, die obersten Schichten sind 6.000 Jahre alt, die untersten über 10.000 Jahre.

Zugleich bedingt dies, dass ihre raumgreifenden Installationen auch immer in großer Abhängigkeit vom Ort dieses Materials entstehen. In Island ist Torf immer noch ein Baumaterial, dass ein Bewusstsein für Geschichte wachhält und entsprechend gepflegt wird. Vor dem Hintergrund der atemberaubenden Landschaft behaupten ihre Zeichnungen und Skulpturen sich hier aber auch gegen eine verklärte Exotik von Abgeschiedenheit und ökologischer Naivität. Natur ist hier immer noch lebendsfeindliche Umwelt und die Geschichte Islands alles andere als romantisch.

Ihre künstlerische Archäologie entbirgt dabei die verborgene Formensprache der Natur, und vollzieht deren kulturelle Aneignung nicht nur nach. Ingrid Ogenstedts Arbeiten formen diesen Ergreifungs-Prozess, sie erfinden ihn neu, machen den inhärenten Kontrollverlust bei der Aneignung von Natur spürbar und legen die Verschiebung in der kulturellen Narration offen.

Nicht zuletzt ist auch Natur ein kultureller Begriff. Dieser Widerspruch der Präsenz des Materials zu seiner narrativ verhandelten Logik in Geschichte und Leben der Menschen vor Ort, werden in ihren skulpturalen Arbeiten direkt und unmittelbar sicht- und erfahrbar. Das Fundament unserer Kultur wird uns damit zugleich seltsam vertraut und erstaunlich fremd.

Carola Bintakies, Antiquariat und Kunst, Contrescarpe 45, 28195 Bremen, (0421) 32 32 05
seitenblick-bremen@t-online.de, Montag bis Freitag 9–14 und 15:30–18 Uhr, Samstag 10–14 Uhr